Die Odyssee und ihre patriarchale Struktur

30. März 2026

Die Odyssee ist viel mehr als eine einfache literarische Geschichte; sie ist eine richtige Irrfahrt durch die altgriechische Kultur. Sie zeigt uns, wie damals die Herrschaft funktionierte, wie die Ungleichheit eine Auswirkung auf die Gesellschaft hatte und noch vieles mehr. In diesem Text werde ich versuchen, mithilfe einer Textstelle aus dem Buch zu erklären, wie die Ungleichheit von der damaligen Kultur betrachtet wurde.

Die Textstelle:

«Einer der Piraten näherte  sich ihr, als sie gerade beim Waschen war, und verführte sie abseits von den Schiffen. Du weisst ja, wenn es darum geht, wird selbst eine ansonsten tugendhafte Frau schwach.»

(S. 121, Zeile: 15-19)

Wie wird die Ungleichheit in der Odyssee dargestellt?

Bei dieser Quelle wird gerade die Geschichte des Euimaios erzählt. Er erzählte, wie eine Sklavin von seiner Insel Syros von Piraten abseits ihrer Schiffen verführt wurde. Darauf drückte er aus, wie «selbst eine ansonsten tugendhafte Frau», in diesem Fall die Sklavin,  schwach wird, sobald es sich um so einer Situation handelt (mit den Piraten).

Diese Art des Erzählens symbolisiert, so wie in der Geschichte des Adam und Eva, dass Frauen eigentlich stark, fähig und seriös sind, jedoch gegen Männern «nichts» anstellen können. Die Bibel kennt schliesslich auch keine «schwachen Frauen», die ganze Unterdrückung stammt von der Kultur, so wie es bei diesem Teil der Odyssee von Eumaios ausgedrückt wird.

Der Anfang der Quelle ist auch interessant, da Euimaios mit dem «du weisst ja», ausdrückt wie solche Meinungen schon bekannt und in Kulturen eingebaut waren. Das ist eine Art und Weise, auf die Homer, der Autor der Odyssee, ausdrückt, was er von der ganzen Ungleichheit eigentlich denkt, da er diese Textstelle geschrieben hat und dadurch entscheiden konnte, was er wie erzählen wollte.  

Diese «tugendhafte» Frau wurde später von einer Göttin umgebracht, was eigentlich nicht viel Sinn ergibt, da Frauen einander während der Unterdrückung eigentlich unterstützen sollten.

Wieso ist das dann so dargestellt?
Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich ganz einfach, dafür muss man jedoch die ganze Odyssee nicht komplett als literarisches Schreiben sehen, sondern auch wieder als eine politische Meinung sehen. Die ganze Geschichte, welche von Homer geschrieben wurde, basiert auf starken politischen und patriarchale Meinungen, Dinge, die Homer ohne weiteres mit der Odyssee verknüpft hat (wie man schon mit dem «du weisst ja» gesehen hat), daher muss man sich die Handlungen der Göttin Artemis, als die von Homer vorstellen, der damit eine bestimmte Meinung ausdrücken wollte.

In diesem Fall wollte er die Ungleichheit rechtfertigen, in dem er sie als Wunsch der Götter illustriert. Daraus lässt sich schliessen, dass sich die ganze Odyssee als misogynes Konstrukt der damaligen Kultur sehen lässt, ein Konstrukt, welches den patriarchalen Zustand der altgriechischen Kultur darstellt

Diese «tugendhafte», jedoch «schwache» Frau ist also ein allgemeines Symbol für die Unterdrückung von Frauen in der Odyssee und zeigt, dass Frauen eigentlich, laut der Textstelle biologisch nicht den Männern untergeordnet sind, jedoch trotzdem aufgrund von Falschaussagen und Kultur als untergeordnete «Wesen» behandelt werden.

Mnesterophonia (Mord an den Freiern). Griechische Vasenmalerei, Penelope-Maler, um 440 v. Chr. Fundort: Tarquinia. Eumaios oben rechts.

Wie werden diese Handlungen heutzutage betrachtet?

Obwohl solche Ereignisse in den letzten Jahrtausenden abgenommen haben, ist die Meinung, dass Frauen gegen Männern nichts anstellen können, immernoch in manchen Regionen und Kulturen klar ersichtlich. Im Bezug auf die Schweiz, ist eine solche Perspektive gegenüber den Frauen ziemlich veraltet und absurd.

Wie schon leicht erwähnt ist für die Analyse dieser Quelle wichtig, dass Homer, der «Autor» der Odyssee (man weiss immernoch nicht wirklich, ob er die Odyssee geschrieben hat), eine bestimmte Nachricht an die Leser senden wollte. Also hat er viele Dinge geschrieben, die möglicherweise heutzutage als Stereotyp betrachtet werden können, aber zu seiner Zeit noch als völlig normal galten, um bspw. die Ungleichheit zu rechtfertigen und den Ruf der Frauen zu verschlimmern.

In anderen Worten hätte er die Odyssee als Waffe gegen die Gleichheit brauchen können, wie bspw. die Geschichte Adam und Evas auch getan hat.